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Plötzlich viel Zeit. Und wer bin ich jetzt?

  • Autorenbild: Christian F. Houben
    Christian F. Houben
  • 2. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Juli


Der Übergang in den Ruhestand ist für viele Führungskräfte eine bedeutende Lebensphase. Oftmals bringt dieser Schritt nicht nur das Ende einer Karriere mit sich, sondern auch die Möglichkeit, neue Wege zu gehen und persönliche Ziele zu verfolgen. Doch wie gelingt dieser Übergang erfolgreich? Coaching kann hierbei eine wertvolle Unterstützung bieten. In diesem Blogbeitrag werden wir die Vorteile von Coaching für Führungskräfte im Ruhestand beleuchten und praktische Tipps geben, wie man diesen Übergang gestalten kann.


Eye-level view of a serene landscape with a winding path
Eye-level view of a serene landscape with a winding path


Warum der Abschied aus einer Führungsposition mehr ist als der Beginn des Ruhestands


Jahrelang war Ihr Kalender voll. Menschen wollten Entscheidungen. Mitarbeiter brauchten Orientierung. Kunden riefen an. Sie hatten Verantwortung, Einfluss – und wurden gebraucht.

Und bald endet die Funktion.

Vielleicht freuen Sie sich sogar darauf. Keine endlosen Meetings mehr. Keine Quartalszahlen. Keine Krisenanrufe am Wochenende.

Endlich Freiheit.

Aber dann tauchen Fragen auf, mit denen Sie nicht gerechnet haben.


Wenn nicht die Arbeit fehlt – sondern die Bedeutung


Was passiert, wenn morgens niemand mehr etwas von Ihnen will?

Wenn Ihr Nachfolger Entscheidungen trifft, die Sie anders getroffen hätten?

Wenn ehemalige Geschäftskontakte plötzlich seltener anrufen?

Wenn Sie feststellen, dass manche Beziehungen offenbar stärker mit Ihrer Position verbunden waren als mit Ihnen?

Und vielleicht die schwierigste Frage:


Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr Geschäftsführer, Vorstand oder Unternehmer bin?


Das sind keine ungewöhnlichen Gedanken. Eine jahrzehntelange Führungsrolle verschwindet nicht einfach mit dem letzten Arbeitstag.

Denn Sie geben weit mehr ab als einen Job:


Sie verlieren Status, Einfluss, Struktur, Zugehörigkeit, Verantwortung und Resonanz.

Der Sinn im Leben muss neu justiert werden.


Ein voller Kalender löst das Problem nicht


Natürlich können Sie die neue Freiheit organisieren.

Reisen. Golf. Fitness. Enkel. Ehrenamt. Beirat. Vielleicht endlich Italienisch lernen.

Der Kalender wäre schnell wieder voll.

Doch Beschäftigung beantwortet noch nicht die entscheidende Frage:


Was gibt meinem Leben jetzt Bedeutung?


Genau deshalb ist professionelles Coaching im Übergang keine Freizeitberatung.

Es geht um Identitätsumbau.

Nicht darum, Ihre bisherige Identität abzulegen. Sondern darum, sie weiterzuentwickeln.


Können Sie wirklich loslassen?


Eine der schwierigsten Erfahrungen kann sein, dass das Unternehmen ohne Sie weiterläuft. Der Nachfolger verändert Dinge. Mitarbeiter orientieren sich neu. Informationen erreichen Sie nicht mehr. Entscheidungen fallen, ohne dass jemand nach Ihrer Meinung fragt.

Rational wissen Sie: Genau so muss es sein.

Emotional kann es sich trotzdem anders anfühlen.


Verantwortung abzugeben, ohne sich dadurch weniger bedeutsam zu fühlen, ist eine der zentralen Aufgaben dieses Übergangs.


Und vielleicht entdecken Sie dabei Rollen, Interessen und Seiten Ihrer Persönlichkeit wieder, für die während Ihrer Karriere kaum Platz war.


Was Sie jetzt tun können


Warten Sie nicht erst darauf, dass nach dem letzten Arbeitstag ein Vakuum entsteht.

Wenn Ihr Ausscheiden in den nächsten Monaten oder Jahren bevorsteht, suchen Sie sich frühzeitig einen Coach, der sich mit Führungskräften im Übergang, Executive Offboarding und Retirement Transition auskennt.

Achten Sie darauf, dass es dabei nicht nur um Ziele, Aktivitäten und die Gestaltung Ihrer Freizeit geht.


Ein guter Transition Coach sollte mit Ihnen auch über die schwierigeren Fragen sprechen können:


Was muss ich noch abschließen? Was fällt mir schwer loszulassen? Was bedeutet der Verlust von Status und Einfluss für mich? Welche Beziehungen bleiben? Welche Rollen möchte ich künftig einnehmen? Was soll von meiner Arbeit bleiben? Und wer möchte ich sein, wenn meine bisherige Funktion endet?


Führen Sie zwei oder drei unverbindliche Vorgespräche. Entscheidend sind nicht nur Zertifikate und Methoden. Sie sollten das Gefühl haben, mit diesem Menschen auch über Zweifel, Kränkungen, Stolz, Macht, Alter, Bedeutung und die eigene Endlichkeit sprechen zu können.


Sie brauchen keinen neuen Terminkalender. Sie brauchen eine neue Perspektive.


Nach einer erfolgreichen Führungskarriere beginnt nicht einfach „der Ruhestand“.

Es beginnt ein Übergang. Und vielleicht ist die wichtigste Frage dabei nicht:


Was mache ich jetzt mit meiner ganzen Zeit?


Sondern:


Wer möchte ich sein, wenn ich niemand mehr sein muss?

 
 
 

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